American Magic and Dread

November 2, 2011 § 1 Comment

The title of this post is not mine. It goes back to Mark Osteen’s fabulous book on Don DeLillo‘s fiction and its concern with modern media. But ever since reading that book, the tautological nature of the title, so apt and precise to describe the fiction of DeLillo, has remained with me as a shortcut to a European perspective on America. In a similar way, Liam Cennedy argued that for Europeans, America remained an object of study and also an object of desire (h/t Ida Jahr). Same tautological structure of interest (magic) and despair (dread). Yet, seen from the right perspective, and I speak spatially here, that picture above does make sense to someone driving DOWN the alley in the wrong direction, while for someone driving UP the alley, the letters are just nonsense. The irritated bystander (read: European) perceives the interdiction and the definition at the same time, as mere commands phrased in the same alphabet. This yes/and – no/but structure still seems to capture what many think about America as a cultural space, although the no/but-faction is gaining ground.

Paul Virilio coined the phrase of a projectile image, projecting through space at radiant speed, reflecting on screens and surfaces, thereby reorganizing our perceptions of space at the same time. Now, in addition to these spatial metaphors of images – between the ground floor and the observation deck – there is a temporal dimension of the image, which altogether can go beyond its spatial origins. It’s the visceral and viral image, which resonates in digital time (not space, how anachronistic).

DeLillo was able to capture this mode of being obsessed with images as a fundamental quality of American culture, images as part of the magic, for sure, but also images as the source of dread, of unease, and instability. In Cosmopolis (2003) and Underworld (1997), to name just two, DeLillo weaves the objective certainty of the image into a matrix of uncertain perceptions – phenomenological irritations in the face of photogenic magic. In one short passage, Jeff’s fascination with a video of the “Texas Highway Killer” turns into an ontological journey into the self, an image beyond the consumerist self of wryly calibrated image particles.

Jeff became absorbed in these images, devising routines and programs, using filtering techniques to remove background texture. He was looking for the lost information. He enhanced and superslowed, trying to find some pixel in the data swarm that might provide a clue to the identity of the shooter. (Underworld, 118)

In the constant run of images this clue to an identity is no longer directed at identifying the “Texas Highway Killer” but is used as a vehicle to see an image of oneself gaining shape in an endless swirl of half-codified, half-creative forms of repeated interaction, documented amply in forums and on pinwalls. If there is such a magic of uncertainty, then America might still inhabit the space of attractions. But as the magic of uncertainty of the image surpasses the national turf, it becomes a temporal trope, actualized at haphazard conjunctions of identity processes. One may feel urged to warn: “Do not enter” – “Entrance only” – at your own risk.

Additional background reporting: GC Commentary: BV, JP, JK and IJ.

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Berlin – Anmerkungen zu einem Symbol

September 14, 2010 § 1 Comment

Wer landauf, landab die deutschen Lande bereist, wird selbst bei kurzem Blick auf die Lebensumstände der Bewohner feststellen, dass es wohl kaum irgendwo so … (Lieblingsadjektiv einsetzen) ist, wie in Berlin. Man trifft hier und da auf wesentlich mehr Naturschönheit, auf wesentlich neuere Bauten oder auf wesentlich funktionalere Funktionsgebäude am Stadtrand.

Dabei ist Berlin wirklich im internationalen Vergleich eine sehr grüne Stadt, der Potsdamer Platz eine Ikone moderner Architektur und die Industriegebiete am Stadtrand … im Wesentlichen leer. Autos bauen die deutschen Hersteller nicht in Berlin. Nur Siemens hat noch eine Turbinenfabrik und BMW ein Motorradwerk. Solarfirmen gibt es, ja, aber von denen produzieren die meisten lieber in Brandenburg oder Mitteldeutschland. Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist nach dem Fall zuerst der Mauer und dann der Berlin-Zulage bei launigen 13-14% eingeschlafen, während sie gesamtdeutsch momentan etwa halb so hoch ist.

Aus den Medien ist Berlin vor allem bekannt als “Stadt der Kreativen”, der “digitalen Boheme”, der “Brennpunktkieze”, der “Parallelgesellschaften” … und als Sitz der Bundesregierung. Die Anziehungskraft der Stadt für Zuwanderer aus Deutschland und der Welt ist damit nicht erklärt. Im Vergleich mit New York sind die Mieten sicher sehr viel billiger. Im Vergleich mit Prien am Chiemsee gibt es sicher mehr erstklassige Clubs und im Vergleich mit der Betonwüste Tokyo findet man sicher mehr ungenutzte Grünflächen zur Entspannung.

Allein als Symbol taugt Berlin als vielleicht einzige Stadt in Deutschland, die Träume von einem unbekümmerten Leben zu verwirklichen, denen in anderen Teilen der Republik Tradition, Lebenslauf oder Realitätssinn im Wege stehen. Mit der Heterogenität der Grossstadt, die es per se ja überall gibt, muss sich Alt- und Neuberlin allerdings noch anfreunden. Denn als Kehrseite der völligen Gesichtslosigkeit dieser Grossstadt, sind die Parallelgesellschaften längst strukturell und geographisch zum Mainstream geworden. Jeder Versuch, dieser Stadt ein Gesicht, geschweige denn eine Identität zu verpassen, ist stets Zeugnis für das Wiederstreben der Stadt und ihrer Bewohner ein solches zu brauchen. Weder in Moabit noch am Prenzlauer Berg hat ein Image der Stadt eine Bedeutung, dass über die Grenze des soziologischen Profils der Bekanntschaft hinausreicht, was von aussen betrachtet sehr lustig sein kann. Das ist woanders nichts Ungewöhnliches, aber in Berlin “ist” die Stadt auch geographisch nur das, was zum Bekanntenkreis gehört. Anders könnte man sich das beständige Streben der Berliner Kreativen nach einem Branding ihrer drei Lieblingsstadtteile im Namen der gesamten Stadt nicht erklären.

Beispiel der Morgenpostkampagne von um die Ecke beim Media Markt in der Wilmersdorfer

In einer neuen Kampagne für die eher konservative Tagesszeitung “Berliner Morgenpost” versucht die Prenzelberger Agentur Römer und Wildberger nun abermals Berlin mit einem Image zu versehen, das die Stadt sympathischer darstellt als es hier Lebende nachvollziehen können. In anderen Städten hieße es “unfreundlich”, in Berlin ist es eben “herzlich”. Doch selbst in Bayern wird man als Ausländer (Preuße) mehr Herzlichkeit in einer Wirtschaft antreffen, als im versnobten Mitte, wo jede Servicekraft wegen der drei abgebrochenen Studiengänge sich noch immer besser fühlt als die dahergelaufene Kundschaft.

Berlin ist keine Stadt

“Berlin ist gar keine Stadt, sondern Berlin gibt bloß den Ort dazu her, wo sich eine Menge Menschen – und zwar darunter viele Menschen von Geist – versammeln, denen der Ort ganz gleichgültig ist. Diese bilden das geistige Berlin.” (Heinrich Heine via Inforadio)

Daraus mag sich erklären, warum diese Stadt stets nur “sein” kann, was sie an Möglichkeit bietet. Das Imagegefasel rund um die Identität der Stadt bleibt ein ausgetretener Holzweg um die Probleme der Enklaven herum. Schon die “Be Berlin” Brandingkampagne des Senats von 2009 ist in ihrer Aussage so anheimelnd unbestimmt, dass daraus kein Bekenntnis zur Stadt erwachsen kann. Während Amsterdam mit der I amsterdam-Kampagne zumindest noch ironisch einen Bezug zum Namen und der Kreativität der Stadt herstellt, reicht es in Berlin nur zu einer eckigen Sprechblase, die imperativ den Bewohnern versucht, die Angst vor dem Bekenntnis zu nehmen. Doch das Problem der Stadt ist nicht ihr Image, sondern die symbolische Ausbeutung von Einzelaspekten im Namen der Mehrheit. Wer von Image redet, redet nicht von Lebensbedingungen, von Lebensqualität, von Gemeinsinn oder Zukunftsfähigkeit. Berlin ist, wenn man trotzdem S-Bahn fahren muss, ob se kommt oder nich.

Entweder fehlen dieser Stadt noch 10 Millionen Einwohner oder sie hat 200 Quadratkilometer zu viel Fläche, um den Sog einer echten Grossstadt zu entfalten. Wenn Metropolen Spiegel der Nationen sind, dann sind die versammelten Dörfer von Berlin so deutsch wie die Zugspitze, Mercedes und die Lüneburger Heide zusammen.

Anmerkungen

Hier ein paar weitere Anmerkungen, die auf www.das-ist-berlin.de, der Plattform der Imagekampagne, wohl keine Chance hätten.


Where Am I?

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