Vom Nutzen der Vereinigung

November 23, 2011 § Leave a comment

Rein rechnerisch sind 5 DM immernoch 2,56 Euro aber an diesem Automatenbetreiber ist wohl ein Gutmensch verloren gegangen. Statt dessen kostet eine Packung Präservative hier nur einen Euro. Es sind wahrscheinlich auch nur noch zwei und nicht mehr fünf darinnen zu finden. Anlass genug, doch einmal einen Gedanken an die symbolische Dimension von Preisen zu verlieren.

Douglas Adams, u.a. Autor des Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, sagte einmal, dass ein jeder Prima(t)ner die Zeit seiner Pubertät als die Normalität ansieht. Zum Beispiel in Bezug auf Medien. In dieser Phase ist so ziemlich alles, was vor dem eigenen Geburtsdatum existierte unbedeutend, es sei denn, es bezieht sich auf die unmittelbare Familiengeschichte. Ab dem Moment der Pubertät gewinnen bestimmte Präferenzen für Moden und Medien Dominanz, sie werden zum Normalfall der Generation postuliert. Mit zunehmendem Alter gerinnen diese Präferenzen zur Norm einer selbst alternden Generation. Ergo wird alles, was danach folgt als Verfall der eigenen, nicht angebiederten Kultur gesehen. Man bemerkt alsobald neue, konservative Charakterzüge an sich und empfindet nun diese wiederum extrem avantgardistisch. Gegen die Konformisten ist man eben Konformist des Andersseins.

So ähnlich verhält es sich mit den Preisen für Waren. Alles wird immer teurer. Und das wird jeder Ökonom bestätigen – es muss auch. Weil Löhne steigen, weil es Inflation von Währungen gibt und weil es an dem Verbrauchsmaterial Geld aufgrund der Druckfreiheit von Staatsbanken nie einen Mangel gibt. Einen Preis von vor zwanzig Jahren als den einzig gültigen und akzeptablen anzunehmen ist so anachronistisch, wie das Familienalbum nach Neuigkeiten zu durchsuchen. Obwohl ein Brötchen zu meiner Jugend 5 Pfennig (Ost) kostete, machen mir 15 ct (Euro) keine Sorgen, obwohl das samt Kaufkraftverlust nun eigentlich eine Mark und achtzig sind. Soviel kostete eine Woche Mittagessen (im Osten). Der symbolische Preis ist wohl eher eine Wegmarke, wenn man an der stetigen Einkommensvermehrung keinen Teil mehr hat oder von ihr ausgeschlossen ist. Dass einem Preis eigentlich ein gegenseitiges Bewertungsverhältnis von Aufwand und Nutzen zugrunde liegt, stört bei dem allgegenwärtigen Preisanstieg wohl niemanden. Statt die Karre einfach stehen zu lassen, fährt der Golf jeden weiteren Kilometer um 2 oder 5 oder 36 cent pro Liter mehr und alles, was einem bleibt ist sich darüber zu beklagen. Auch die Symbolik des Automobils ist nicht mehr, was sie einmal war.

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